16.02.2017RSS Feed

Ausschuss: Fachhochschulen sollen gestärkt werden

Ausschuss Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung/Anhörung

Wenn die gewonnenen Studienplätze an den Fachhochschulen erhalten bleiben sollen, ist eine Verstetigung der Mittel aus dem Hochschulpakt über das Jahr 2020 hinaus notwendig. Das sagte Uwe Bettig von der Alice Salomon Hochschule in Berlin beim Öffentlichen Fachgespräch zum Thema Fachhochschulen am Mittwochvormittag vor dem Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung in Berlin. In den Jahren vom Wintersemester 2005/6 bis zum Wintersemester 2016/2017 konnten laut Bettig die Studienplatzkapazitäten in Deutschland an den Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) um 76 Prozent und an den Universitäten um 27,9 Prozent erhöht werden. Im Verhältnis zur Größe sei dies ein massiver Ausbau an den Fachhochulen.


Christian Fritze, designierte Präsidentin der Hochschule Coburg, bemängelte, dass die Fachhochschulen derzeit keine Grundfinanzierung erhielten und die Forschungsförderung lediglich projektbezogen erfolge. Sowohl die Forschung und Entwicklung wie auch der Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen und das mit Forschungsaufgaben betraute Personal bedürfe jedoch der Grundfinanzierung und zusätzlicher zielorientierter Förderelemente.

Bund und Länder seien gefordert, den Ausbau, Erfolg und die spezifische Funktion der Fachhochulen im Wissenschaftssystem und in der Gesellschaft grundlegend abzusichern. Das unterstrich Karin Luckey, Rektorin der Hochschule Bremen. Dieses liege nicht zuletzt im Interesse der Fachkräftesicherung, der Bildungsgerechtigkeit, des Innovationsstandortes Deutschland und der Sicherung der regionalökonomischen Effekte. Sie forderte von Bund und Ländern ein umfassendes FH-Entwicklungspaket.

Wie schwierig es sei, qualifizierte Professorinnen und Professoren anzuwerben, darüber berichtete Nicolai Müller-Bromley, Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Hochschule Osnabrück. Auf der einen Seite würden die Fachhochschulen von Bewerbern eine überdurchschnittliche Promotion und fünf Jahre angemessene Berufsqualifizierung erwarten, könnten aber auf der anderen Seite nicht so viel Gehalt bieten wie vergleichbare Anbieter in der Wirtschaft. Auch er betonte darüber hinaus, dass die Forschungsmittel zu gering seien.

Gunter Schweiger, Professor für Konstruktion und Qualitätsmanagement an der Technischen Hochschule Ingolstadt und Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates, unterstrich wie andere Sachverständige auch, dass die Fortführung des Hochschulpaktes 2020 unumgänglich sei. Aktuelle Prognosen würden davon ausgehen, dass die Studienplatznachfrage auch nach 2020 auf sehr hohem Niveau liege. Er unterstrich zudem, dass der Wissenschaftsrat ein längerfristiges Programm zur Gewinnung von Professoren an Fachhochulen erforderlich halte.

Micha Teuscher, Rektor der Hochschule Neubrandenburg, betonte, dass 70 Prozent der Ingenieure, 55 Prozent der Betriebswirte, 80 Prozent bei den Gesundheits- und Pflegeberufen und 90 Prozent der Sozialpädagogen in Deutschland von den Fachhochschulen kämen. Der Wissenschaftsrat habe seit 20 Jahren den Ausbau der Fachhochschulen und HAWs gefordert. Die Politik sei aber dieser Forderung im Sinne einer strukturellen und auf Dauer angelegten Stärkung nicht nachgekommen.

Die Diskussion werde zu oft auf die Frage nach einem wissenschaftlichen Studium oder einer berufsbezogenen Ausbildung verengt, kritisierte Andreas Zaby, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Vielmehr vereine ein Duales Studium beide Element bestens, da es sich durch die Integration von wissenschaftlichen und betrieblichen Studienanteilen auszeichne.


Quelle: Dt. Bundestag