21.10.2014rss_feed

DGfZ-Jahrestagung und DGfZ-/GfT-Gemeinschaftstagung 2014
in Dummerstorf

Die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ), die Gesellschaft für Tierzuchtwissenschaften (GfT), die Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät (AUF) der Universität Rostock und das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) Dummerstorf luden am 17. und 18. September zu ihrer hochkarätig besetzten DGfZ-Jahres- und DGfZ/GfT-Gemeinschaftstagung in das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf ein. Die Tagung war eingebettet in die Festwoche zur 75 Jahr Feier des Wissenschaftsstandortes Dummerstorf, einer der ältesten und inzwischen die größte Forschungseinrichtung dieser Art in Deutschland.

Zukunftsweisende Vorträge und herausragende Vertreter aus Wissenschaft, Industrie und Politik zogen über 300 Experten aus dem In- und Ausland und vielen Ehrengästen nach Mecklenburg-Vorpommern.


Die DGfZ-Jahrestagung zog viele Experten an

Die DGfZ-Jahrestagung zog viele Experten an

Die Tagung wurde durch den Präsidenten der DGfZ, Dr. Otto-Werner Marquardt, sowie durch Prof. Dr. Georg Erhardt, Direktor des Departments Tierzucht und Tiergenetik der Justus-Liebig-Universität Giessen und ehemaliger Vorsitzender der GfT, und Prof. Dr. Manfred Schwerin, Leiter des FBN Dummerstorf, eröffnet. In seinen Begrüßungsworten betonte der Präsident, dass in Zeiten zahlreicher Tierwohldiskussionen die Notwendigkeit sachlicher Informationen auf Basis fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse unerlässlich seien. Insbesondere die praxisangewandte Forschung und die Vermittlung der Ergebnisse in die Praxis würden zukünftig an Bedeutung gewinnen. Aber nicht nur die Praxis sei auf neue Erkenntnisse aus der Tierzucht und Tierhaltung angewiesen, sondern auch die Politik, die sich nur im Gespräch mit Experten der Branche ein umfassendes Bild machen kann, um ihre politischen Entscheidungen – unabhängig vom gesellschaftlichen Mainstream – treffen zu können.


Namhafte Vertreter von Bund und Land würdigen die Arbeit der DGfZ

Peter Bleser,Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Peter Bleser,Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Peter Bleser,Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, meinte in seinem Grußwort: Die Herausforderung in der Nutztierhaltung ist es, zwischen den gesellschaftlichen Anforderungen zum Wohlbefinden der Tiere, den Umweltwirkungen der Tierhaltung und der Wirtschaftlichkeit der Tierhaltung, den besten Kompromiss zu finden. Nur mit Unterstützung der Forschung sei diese Herausforderung zu meistern. Die Forschung ist ein bedeutender Impulsgeber. Deshalb ist es wichtig, dass die Forschungsergebnisse auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, betonte Bleser.



Dr. Peter Sanftleben, Staatssekretär für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern

Dr. Peter Sanftleben, Staatssekretär für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern

Die Politik kann den Rechtsrahmen setzen und die gesellschaftliche Diskussion moderieren. Die Wissenschaft muss Argumente liefern, wie Nutztiere gehalten werden sollen, betonte Dr. Peter Sanftleben, Staatssekretär für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, der vor seinem Wechsel ins Agrarministerium viele Jahre am Institut für Tierproduktion der Landesanstalt für Landwirtschaft gearbeitet hatte. Die DGfZ sieht Sanftleben dabei als essentiellen Mittler zwischen Wissenschaft und Politik.

 



DGfZ-Vortragsveranstaltung mit hochaktuellem Themenkomplex

Prof. Dr. Kay-Uwe Götz, Leiter des Instituts für Tierzucht der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft

Prof. Dr. Kay-Uwe Götz, Leiter des Instituts für Tierzucht der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft

Die sich anschließende DGfZ-Vortragsveranstaltung widmete sich in diesem Jahr dem hochaktuellen Themenkomplex der Genomforschung. Zu dem Thema: In der Ära der Genomforschung sind die Phänotypen König – Neue Phänotypen in der Nutztierzucht stellten renommierte Wissenschaftler neue Forschungsergebnisse vor.


Prof. Dr. Hermann H. Swalve, Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Universität Halle

Prof. Dr. Hermann H. Swalve, Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Universität Halle

Unter der Moderation von Prof. Dr. Kay-Uwe Götz, Leiter des Instituts für Tierzucht der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, begann die DGfZ-Jahrestagung mit einem Vortrag von Prof. Dr. Hermann H. Swalve vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Universität Halle, zur Erschließung neuer Selektionsmerkmale durch Geno- und Phänotypisierung von Kühen. Im Zeitalter von hochdichten SNP-Daten und Sequenzinformationen sei die Erfassung von präzisen Phänotypen immer wichtiger, so Swalve. Auf Grund der vorhandenen neuen Erkenntnisse bekommt die Genotyp x Umwelt – Interaktion eine neue Bedeutung. Weitere, kontinuierliche Phänotypisierungsanstrengungen für die Merkmale Effizienz und Gesundheit sind daher dringend erforderlich. Denn es gilt die Frage zu klären: Welche Kühe sind aufgrund ihres Genoms dazu veranlagt, hohe Milchleistungen mit niedrigen Erkrankungsraten zu kombinieren?


Prof. Dr. Klaus Wimmers, Institut für Genombiologie, FBN Dummerstorf

Prof. Dr. Klaus Wimmers, Institut für Genombiologie, FBN Dummerstorf

Prof. Dr. Klaus Wimmers vom Institut für Genombiologie des FBN Dummerstorf, stellte in seinem Vortrag Omics-Profile – neue molekulare Phänotypen als Werkzeuge für Tierzucht und -haltung vor. Dabei ging er der Frage nach, welche molekularen Methoden zur Förderung einer sogenannten balancierten Tierzucht herangezogen werden können. Er erörterte dabei  die Annahme, dass Tierwohl/-gesundheit, Effizienz und Produktqualität/-sicherheit gemeinsam eine nachhaltige Nutztierhaltung ausmachen. Wolle man gesellschaftlichen Anforderungen noch mehr gerecht werden und eine nachhaltigere Nutztierhaltung fördern, erfordere das eine andere Gewichtung der Zuchtmerkmale. In seinem Vortrag zeigte er Analysen auf den Ebenen der Genotyp–Phänotyp–Abbildung anhand von Omics-Techniken auf, die einen Einblick in die Mechanismen der Genotyp-Phänotyp-Abbildung ermöglichen und neue Erkenntnisse über die Biologie der Merkmale liefern.


Prof. Dr. Norbert Reinsch, Institut für Genetik und Biometrie, FBN Dummerstorf

Prof. Dr. Norbert Reinsch, Institut für Genetik und Biometrie, FBN Dummerstorf

Prof. Dr. Norbert Reinsch vom Institut für Genetik und Biometrie des FBN Dummerstorf referierte über den Mehrwert aus der Milchleistungsprüfung für die Gesundheit der Herde. Er stellte anhand des Paradebeispiels ‚Infrarotspektren‘ neue Entwicklung in der Leistungsprüfung vor, nämlich die automatisierte Erfassung komplexer Phänotypen. Vorteile der Infrarotmessungen sind, dass sie nicht invasiv sind, automatisiert werden können und regelmäßige Messungen in großem Umfang ermöglichen. Prof. Reinsch zeigte erste Forschungsergebnisse sowie deren Praxistauglichkeit für die Milchinhaltsstoffe gesättigte Fettsäuren, ungesättigte Fettsäuren sowie Molkeproteine (insbesondere Lactoferrin) auf. Bestimmte Inhaltsstoffe lassen Rückschlüsse auf den Gesundheitsstatus der Kuh bzw. der Herde zu und sind wesentliche Merkmale für die Zucht und das Management. So erlauben z. B. Natrium, Lactoferrin, Calcium, Aceton und Beta-Hydroxybutyrat  Aussagen über die Herdengesundheit. Der Referent schlussfolgerte nach seiner umfangreichen Präsentation, dass wertvolle phänotypische Informationen aus der Leistungsprüfung in großem Umfang zwar vorhanden aber noch ungenutzt sind. In einigen Projekten will man nun diese Informationen erschließen. So werden z. B. in Belgien und Luxemburg Datenbanken mit Infrarotspektren aufgebaut. Das EU-weite Gemeinschaftsprojekt optiMIR befasst sich mit der Standardisierung, Speicherung und Auswertung von Spektren. Schwierig ist dabei, genügend zuverlässige Referenzmessungen für komplexe Phänotypen in einem breiteren Spektrum von Umwelten zur Kalibrierung und Validierung zu erhalten. Dies gelingt nur, wenn  national und international alle Beteiligten effektiv zusammen arbeiten, so Reinsch.


Prof. Dr. Georg Thaller, Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Universität Kiel

Prof. Dr. Georg Thaller, Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Universität Kiel

Abschließend stellte Prof. Dr. Georg Thaller vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Universität Kiel die spannende Frage Wie werden die genomischen Informationen zurzeit in der Zuchtpraxis genutzt und welche Möglichkeiten sind in der Zukunft denkbar? Der Referent berichtete über den Einsatz genomisch selektierter Bullen, die aktuelle Entwicklung beim Zuchtfortschritt, die Weiterentwicklung genomischer ZWS-Verfahren, genetische Besonderheiten wie z. B. lethale Haplotypen, genombasierte Anpaarungsmöglichkeiten sowie die Nutzung der Dominanz bei der Anpaarung. Nach Einschätzung Prof. Thallers wird das Potenzial der genomischen Selektion zunehmend stärker ausgeschöpft und die Verfahren verbessert. Entscheidend sei allerdings der Umfang und die Qualität der Lernstichproben. Insbesondere zur Aufklärung von Erbfehlern lassen sich Sequenzinformationen hervorragend nutzen. Gleiches gilt für eine optimierte Anpaarung und Leistungsvorhersage. Der Referent appellierte anschließend an die Zuchtorganisationen und Betriebe, sich bei der Umsetzung innovativer Strategien zu beteiligen. Ohne deren Engagement seien praxisnahe Lösungen nicht möglich.



DGfZ zeichnet herausragende junge Wissenschaftler aus

v.l.n.r. Dr. Otto-Werner Marquardt gratuliert Dr. Melanie Streit

v.l.n.r. Dr. Otto-Werner Marquardt gratuliert Dr. Melanie Streit

Im Anschluss an die Jahrestagung wurden gleich vier herausragende Dissertationen und Masterarbeiten mit dem DGfZ-Preis ausgezeichnet – ein Novum in der Verbandsgeschichte. Die DGfZ begann 2004, besonders interessante und richtungweisende wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten im Bereich der Tierproduktion mit einem Förderpreis auszuzeichnen. In diesem Jahr durfte sich Dr. Melanie Streit aus Hohenheim über die Auszeichnung freuen. Sie schrieb ihre Dissertation zum Thema Investigations on major gene by polygene and gene by environment interaction in German Holstein dairy cattle. Die Jury lobte das insgesamt sehr hohe Niveau der Arbeit, in der Frau Dr. Streit anhand von Reaktionsnorm-Modellen umfangreiche pedigree- und markerbasierte Untersuchungen zu Genotyp-Umwelt-Interaktion bei Deutschen Holsteins durchgeführt hat. Der Laudator, Dr. Otto-Werner Marquardt, hob besonders den Publikationsstatus der Arbeit hervor: Alle vier Kapitel sind in sehr guten wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert und wurden bereits von der wissenschaftlichen Gemeinschaft aufgegriffen.


Prof. Dr. Gudrun Brockmann nahm als Doktormutter stellvertretend den Preis entgegen

Prof. Dr. Gudrun Brockmann nahm als Doktormutter stellvertretend den Preis entgegen

Die zweite herausragende Arbeit in der Kategorie Dissertation stammt von Dr. Susanne Kreuzer-Redmer aus Berlin, zum Thema The effects of the probiotic Enterococcus faecium NCIMB 10415 on the immune response in weaned piglets. Dr. Kreuzer-Redmer befasste sich in ihrer Dissertation mit der sowohl für die praktische Schweineproduktion als auch für die Veterinärmedizin wichtigen Thematik des Einflusses des probiotischen Bakteriums Enterococcus faecium NCIMB 10415 (E. faecium) auf die systemische und Darm assoziierte Immunantwort in Ferkeln. Der Dissertation liegen bereits fünf Publikationen in begutachteten international renommierten Zeitschriften zugrunde, von denen Dr. Kreuzer-Redmer Erstautorin ist. In weiteren Publikationen tritt sie als Koautorin auf. Frau Dr. Kreuzer-Redmer zeigt durch ihre kumulative Dissertation, dass sie über dem Rahmen der molekularen Tierzucht hinaus interdisziplinär arbeiten kann, indem sie molekulare Tierzucht sinnvoll mit der Immunologie und Mikrobiologie verknüpft, begründete Dr. Marquardt die Entscheidung der Jury und wünschte der Preisträgerin beruflich und vor allem auch privat alles Gute.

Leider konnte die Preisträgerin ihre Auszeichnung nicht persönlich entgegen nehmen. Dr. Otto-Werner Marquardt resümierte mit einem Schmunzeln: Denn für Frau Dr. Kreuzer-Redmer stehen gleich zwei freudige Ereignisse ins Haus. Zum einem der DGfZ-Preis und zum anderen die Geburt ihres Kindes. Dabei ergänzen sich die beiden Begebenheiten ganz vorzüglich stellte der frischgebackene Großvater Dr. Marquardt fest: Ich weiß jetzt was Kinderwagen kosten, da kommt das Preisgeld sicher gerade recht. Als besondere Aufmerksamkeit zu dieser Dublette überreicht der DGfZ-Präsident ein eigens für diesen Anlass entworfenes Babylätzchen an Prof. Dr. Gudrun Brockmann, die als Doktormutter stellvertretend den Preis entgegen nahm.


v.l.n.r. Dr. Otto-Werner Marquardt gratuliert Matthias Petig

v.l.n.r. Dr. Otto-Werner Marquardt gratuliert Matthias Petig

Die Masterarbeit von Matthias Petig aus Göttingen zum Thema Vergleich von durchgängiger und temporärer Fixierung von Jungsauen in Abferkelbuchten unter den Aspekten Leistung und Verhalten der Sau sowie Gewichtsentwicklung und Verlustgeschehen der Ferkel war eine der zwei ausgezeichneten Masterarbeiten. Vergleichende Untersuchungen, in denen der Kasten während der Säugezeit geschlossen, nach 7 bzw. 14 Tagen pp. geöffnet wurde, zeigen, dass eine Fixierung der Sau über die erste Woche kaum zu Ferkelverlusten führt und sie daher zu diesem Zeitpunkt aufgehoben werden könnte. Daraus ließe sich ein spannender Kompromiss für den Gesetzgeber und den Praktiker ableiten. Die Untersuchungen von Matthias Petig stellen wichtige Vorarbeiten für eine solche mögliche, zukünftige Entwicklung dar, betonte Dr. Otto-Werner Marquardt in seiner Laudatio und stellte vor allem neben der hohen fachlichen Kompetenz der Arbeit den großen Kenntniserwerb für Wissenschaft und Praxis heraus.


v.l.n.r. Matthias Petig und Dr. Otto-Werner Marquardt

v.l.n.r. Matthias Petig und Dr. Otto-Werner Marquardt

Die zweite Masterarbeit, die die Jury überzeugte, war die Arbeit von Paul Bierstedt aus Halle zum Thema Untersuchungen zu Parametern der Fruchtbarkeit in Abhängigkeit von den Zuchtwerten der in Brandenburger Testherden eingesetzten Bullen. Sie widmet sich dem Ziel, die bestehenden Fruchtbarkeitsprobleme in Milchviehherden aus züchterischer Sicht zu beleuchten. Anhand eines sehr umfangreichen Datenmaterials aus 73 Brandenburger Testherden ist es gelungen, Fruchtbarkeitsparameter exemplarisch für drei Laktationen zu untersuchen. Demnach zeigen Töchter von Bullen mit extremen Zuchtwerten in Merkmalen wie Anzahl Besamungen, Verzögerungs- und Rastzeiten signifikante Leistungsunterschiede. Die Jury bescheinigte Paul Bierstedt eine methodisch grundsolide sehr innovative Arbeit mit hohem Nutzen für die Praxis.


Verleihung der DGfZ-Auszeichnungen im feierlichen Rahmen

v.l.n.r. Prof. Dr. Dr. habil. Georg Erhardt und Dr. Otto-Werner Marquardt

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung stellte die Verleihung der hohen DGfZ-Auszeichnungen dar.

 

Mit der Hermann-von-Nathusius-Medaille wurde in diesem Jahr in Anerkennung seiner außerordentlichen und international hoch angesehenen wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Tierzuchtforschung Prof. Dr. Dr. habil. Georg Erhardt, Direktor des Departments Tierzucht und Tiergenetik der Justus-Liebig-Universität Giessen, geehrt. Prof. Dr. Georg Erhardt hat im Bereich der Tierzuchtforschung durch national und international stark beachtete Forschungsergebnisse außerordentlich hohes Ansehen erworben. Seine Forschungsfelder zeigen sein äußerst vielseitiges Interesse an verschiedenen Aspekten der tierzüchterischen Forschung; seine Forschung ist breit aufgestellt und beinhaltet u.a. klassische Genetik, Genomanalyse, molekulare Aspekte einzelner tierzüchterischer Merkmale, Biodiversität, genetische Resistenzen und in der jüngeren Vergangenheit vor allen Dingen Milchproteinvarianten. Ein besonderes Anliegen ist ihm immer der Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Praxis. Mit diesen Worten ehrte der DGfZ-Präsident, Dr. Otto-Werner Marquardt, seinen Weggefährten. In seiner Rede stellte der Präsident den Werdegang Prof. Dr. Erhardts und seine vielfältigen Leistungen auf dem Gebiet der Tierzucht dar. Prof. Dr. Erhardt steht in der langen Tradition der Arbeiten von Hermann Engelhardt von Nathusius, dem Namensgeber der Medaille und in der Tradition hervorragender deutscher Tierzuchtwissenschaftler, die in der Vergangenheit mit der Hermann-von-Nathusius-Medaille geehrt wurden. Dem Präsidenten der DGfZ war es daher eine besondere Ehre, Prof. Dr. Erhardt in diesem Jahr die Hermann-von-Nathusius-Medaille verleihen zu dürfen.

Die Hermann-von-Nathusius-Medaille wird seit 1928 in Gedenken an einen der bedeutendsten Wissenschaftler der deutschen Tierzucht gestiftet. Mit ihr werden Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Nutztierwissenschaften im Sinne des Stiftungsgedankens ausgezeichnet.


Ehepaar Adler

Ehepaar Adler

Bernd Adler, Geschäftsführer der RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH, wurde in Anerkennung seiner züchterischen Kompetenz und großen Verdienste auf dem Gebiet der deutschen Rinderzucht die Adolf-Köppe-Nadel verliehen.

Ein Leben für die Rinderzucht, so beschrieb Dr. Otto-Werner Marquardt in seiner sehr persönlichen Laudatio Bernd Adler und skizzierte sein Leben, das durch viel Arbeit aber auch durch viele Erfolge gekennzeichnet ist. Als Geschäftsführer des Rinderzuchtverbandes Berlin-Brandenburg hat er Anfang der 1990er Jahre Zucht, Besamung und Vermarktung unter einem Dach zusammengeführt und damit wesentlich den Erfolgskurs der deutschen Rinderzucht in Brandenburg begründet. Seine kreativen Ideen und zukunftsweisenden Visionen brachte und bringt er in diverse Gremien und Kooperationen ein – immer mit der Zielstellung, die Züchtung praxisorientiert und marktgerecht auszurichten, so Marquardt. Als ein Beispiel sei die Einführung des Fitnessindex RZFit für die Holsteinzucht im Jahr 2010 genannt, für den er Ideengeber war.

Seit seiner Jugend ist Bernd Adler vom Leben und Schaffen Adolf Köppes fasziniert und verbindet viele Erinnerungen mit dem Werk des ostfriesischen Tierzüchters. Sichtlich gerührt nahm Bernd Adler die Auszeichnung entgegen und bedankte sich bei den Anwesenden, nicht ohne einen Appell an die Jugend zu richten, wie wichtig es ist, sich in der DGfZ zu engagieren.

Im Jahre 1956 hat die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde e.V. im Gedenken an den bedeutenden Tierzüchter Dr. h.c. Adolf Köppe eine Ehrennadel gestiftet, die seinen Namen trägt. Adolf Köppe hat in den langen Jahren seines Wirkens als Tierzuchtdirektor in Ostfriesland Maßstäbe für die gesamte deutsche Tierzucht gesetzt. Die Adolf-Köppe-Nadel dient der Ehrung von Persönlichkeiten, die sich auf dem Gebiet der praktischen Tierzucht besondere Verdienste erworben haben.


DGfZ-Mitgliederversammlung wählt zwei neue Präsidiumsmitglieder

Bevor es mit dem geselligen Abendprogramm weiter­ging, wurde zur DGfZ-Mitgliederversammlung eingeladen, bei der unter anderem die Nachwahl von zwei Präsidiumsmitgliedern auf der Agenda stand. Als neuer Vizepräsident wurde Prof. Dr. Karl Schellander ins Präsidium gewählt, der am Abend zuvor zum neuen Vorsitzenden der Gesellschaft für Tierzuchtwissenschaften e. V. gewählt wurde. Ebenfalls neu ins Präsidium wurde Josef Hannen als Vertreter der Praxis gewählt. Hannen ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (ADR) und hat das Amt von Anton Fortwengel übernommen.

Die Beiträge der DGfZ-Jahresta­gung sind in der Züchtungskunde 1/2015 nachzulesen. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die DGfZ-Geschäftsstelle.