01.10.2018rss_feed

DGfZ-Förderpreis 2018

v.l.n.r. Dr. Johannes Heise, David Kohnke

v.l.n.r. Dr. Johannes Heise, David Kohnke

Die Verleihung des DGfZ-Preises erfolgte 2018 an zwei erfolgreiche Nachwuchswissenschaftler, jeweils einmal für die Kategorie Dissertation und einmal für die Kategorie Masterarbeit. In seiner Rede wies der DGfZ-Präsident, Dr. Marquardt, auf das extrem hohe Niveau der diesjährigen Arbeiten sowie auf die strengen Auswahlkriterien für die Preisvergabe hin. Eine siebenköpfige Jury beurteilt die eingehenden Arbeiten.

 

 

 

Die Wahl der Jury fiel dieses Jahr in der Rubrik Dissertation auf die Arbeit von Dr. Johannes Heise von der Fakultät für Agrarwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen.


v.l.n.r.: Dr. Johannes Heise, Dr. Otto-Werner Marquardt

v.l.n.r.: Dr. Johannes Heise, Dr. Otto-Werner Marquardt

Das Thema lautete Genetic evaluation of longevity in dairy cattle – A new model for an old trait. Das Ziel von Dr. Heises Arbeit war, die komplette Neuentwicklung der Zuchtwertschätzung für das Merkmal Nutzungsdauer, da das bis dahin verwendete Modell nicht korrekt mit zensierten Daten umging und somit verzerrte Zuchtwerte lieferte. Herr Heise entwickelte einen Prototyp für die neue Zuchtwertschätzung aufgrund seiner untersuchten Erkenntnisse, die in der renommierten Zeitschrift Journal of Dairy Science erschienen und ebenso auf der EVT-Tagung 2017 in Tallinn große Beachtung fanden. Seit der April-Zuchtwertschätzung 2018 läuft dieser Prototyp routinemäßig beim vit in Verden. Diese schnelle Implementierung in die Praxis erreichen nur wenige Doktorarbeiten.

In der ersten Studie hat Herr Heise das grundlegende Modell ausgearbeitet. Dazu zerlegte er das Merkmal Nutzungsdauer in neun verschiedene Abschnitte: je drei für jede der ersten drei Laktationen. Die Überlebensbeobachtungen in diesen verschiedenen Abschnitten werden als genetisch unterschiedliche, korrelierte Merkmale modelliert, wodurch die zu unterschiedlichen Zeiten wirksamen Abgangsursachen differenziert berücksichtigt werden. In der zweiten Studie der Doktorarbeit untersuchte Dr. Heise, ob die Berücksichtigung des Erstkalbealters als korrigierendem fixem Effekt im Modell für funktionale Nutzungsdauer ungewollte Seiteneffekte aufweist. Das Ergebnis zeigt, dass die Korrektur für Erstkalbealter die genetische Varianz des Merkmales funktionale Nutzungsdauer reduzieren könnte und daher ohne Weiteres nicht empfohlen werden kann.

In seiner letzten Studie verwendet Herr Heise die mit dem Prototyp geschätzten Zuchtwerte und analysiert mit Hilfe von HD SNP-Marker-Daten von fast 5.000 Bullen den genomischen Hintergrund der neun Überlebensmerkmale.

Im Anschluss an die Preisverleihung stellte Dr. Heise kurz seine interessante Arbeit vor.


v.l.n.r.: David Kohnke, Dr. Otto-Werner Marquardt

v.l.n.r.: David Kohnke, Dr. Otto-Werner Marquardt

Neben zahlreichen Dissertationen wurden in diesem Jahr auch sehr gute Masterarbeiten eingereicht. Überzeugen konnte die Jury dabei die Arbeit von David Kohnke, von der Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim, zum Thema: Lebenseffizienz bei Braun- und Fleckvieh- Untersuchungen am Merkmalskomplex Fleisch.

Herr Kohnke hat mit seiner Masterarbeit wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung der Zuchtwertschätzung bei den Rassen Braun- und Fleckvieh geliefert. Herr Kohnke überprüfte, welchen Einfluss die Integration weitere Datenströme wie der Schlachthofdaten weiblicher Jungrinder sowie der Daten von Kälberauktionen bzw. -festvermarktung auf die Zuchtwertschätzung haben. Außerdem untersuchte er, ob der Kälberpreis als Hilfsmerkmal Rückschlüsse auf die Schlachtleistungen zulässt. Die vertieften Untersuchungen am Merkmalskomplex Fleischleistung setzten sich aus den Merkmalen Nettozunahme, Handelsklasse und Ausschlachtung zusammen.  Bei der Zuchtwertschätzung änderte sich die Rangierung der Tiere nach Zuchtwerten durch die Einbeziehung der weiblichen Schlachtdaten und/oder Auktionsdaten nur geringfügig. Durch Hinzunahme der weiblichen Schlachthofdaten und Kälberauktionsdaten stieg die Sicherheit lediglich um 0,96%. Der Nutzen der weiblichen Schlachthofdaten und Kälberauktionsdaten war somit nur sehr gering. Bei der Simulation einer optimalen Datenlage, das heißt bei vollständiger Angabe der Handelsklasse und Ausschlachtung, konnte die Sicherheit um 9,11% gesteigert werden.

Auch Herr Kohnke nutzte gerne die Möglichkeit, nach der Preisverleihung durch den DGfZ-Präsidenten seine Arbeit dem Auditorium vorzustellen.