01.10.2018rss_feed

Prof. Dr. Theo Meuwissen mit der Hermann-von-Nathusius-Medaille geehrt

v.l.n.r.: Prof. Dr. Theo Meuwissen, Dr. Otto-Werner Marquardt

v.l.n.r.: Prof. Dr. Theo Meuwissen, Dr. Otto-Werner Marquardt

In Anerkennung seiner herausragenden und bahnbrechenden international hoch angesehenen wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der quantitativen Genetik und angewandten Tierzucht verlieh die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde Prof. Dr. Theo Meuwissen auf der diesjährigen DGfZ/GfT-Vortragstagung an der Universität Bonn die Hermann-von-Nathusius-Medaille.

Theo Meuwissen hat in seiner bisherigen wissenschaftlichen Laufbahn eine beeindruckende Zahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen in hochrangigen Zeitschriften publiziert. Einige der Publikationen sind zweifelsohne als Meilensteinpaper der Tierzuchtwissenschaft anzusehen.

Professor Meuwissen gelang es, den in der Tierzucht seit langem bekannten Zielkonflikt zwischen Maximierung des Zuchtfortschritts und Begrenzung des Inzuchtanstiegs in der Tierzucht zu lösten. Er entwickelte eine Methode, die die Einsatzfrequenz der Spitzentiere so regelt, dass der Zuchtfortschritt maximiert und zeitgleich der Inzuchtanstieg in der Population auf ein gewünschtes Maß (z.B. 1% pro Generation) gehalten wird. Diese, von ihm als Optimum Contribution Selection benannten Methode, wurde bereits 1997 von Theo Meuwissen publiziert und gilt derzeit immer noch als die Methode der Wahl, wenn es um den Zielkonflikt Zuchtfortschritt und Inzuchtanstieg geht, der in allen Zuchtpopulationen vorherrscht.


v.l.n.r.: Prof. Meuwissen, Dr. Marquardt

v.l.n.r.: Prof. Meuwissen, Dr. Marquardt

 Die Entwicklung der genomischen Selektion, die Theo Meuwissen gemeinsam mit Ben Hayes und Mike Goddard bereits im Jahre 2001 vorschlug, gilt als weiterer Meilenstein. Da sich die markergestützten Selektionsverfahren als nicht zielführend herausstellten, hatten Theo Meuwissen und seinen Kollegen die Idee, auf die Kartierung von QTL zu verzichten und stattdessen für jeden Marker einen Effekt auf das Merkmal zu schätzen, egal ob dieser nun mit einem QTL assoziiert ist oder nicht. Es zeigte sich, dass dieses Verfahren sehr zuverlässige Zuchtwerte für junge Tiere ohne Nachkommenleistung liefert, wenn die Lernstichprobe zur Schätzung der Markereffekte groß ist. Das statistische Problem war, dass sehr viele Markereffekte aus einer begrenzten Anzahl an Beobachtungen geschätzt werden müssen. Theo Meuwissen hat dazu drei statistische Methoden entwickelt, die bis heute gültig sind und nur marginal verbessert wurden. Sie werden in der Tierzucht, Pflanzenzucht und auch in abgewandelter Form in der Humangenetik zur Analyse komplexer Merkmale eingesetzt.

Die genomische Selektion hat die Tierzucht innerhalb weniger Jahre revolutioniert. Sie gilt heutzutage als Standardwerkzeug und führt bis hin zu einer Verdoppelung des Zuchtfortschritts. Allerdings begann der Siegeszug erst einige Jahre nach dem Erscheinen des Meilensteinpapers 2001, da es erst ab ca. 2006 möglich war, mittels SNP-Chiptechnologie viele Tiere an vielen Markern zu günstigen Preisen zu typisieren. Dies unterstreicht die damalige Weitsicht der Autoren.

Professor Meuwissen reiste eigens aus Norwegen an, um die Medaille persönlich entgegen zu nehmen.

Die Hermann-von-Nathusius-Medaille wird seit 1928 in Gedenken an einen der bedeutendsten Wissenschaftler der deutschen Tierzucht gestiftet. Mit ihr werden Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Nutztierwissenschaften im Sinne des Stiftungsgedankens ausgezeichnet.