16.09.2019rss_feed

Vortragstagung der DGfZ und GfT: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Nutztierhaltung – Prognosen, Chancen und Konzepte

Die Zukunft im Visier, zum hochaktuellen Generalthema Auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Nutztierhaltung – Prognosen, Chancen und Konzepte informierten und diskutierten namhafte Tierwissenschaftler und Zukunftsforscher auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ) und der Gesellschaft für Tierzuchtwissenschaften (GfT) in Gießen. An der vom Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus-Liebig-Universität Gießen mitorganisierten Tagung nahmen vom 11. bis 12. September nahezu 300 Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung teil.

 


Engagierte Podiumsdiskussion mit dem Auditorium: (v.l.n.r.) Jeanette Huber (Unternehmensberatung und Associate Director Zukunftsinstitut), Prof. i.R. Dr. Dr. h.c. P. Michael Schmitz (Justus-Liebig-Universität Gießen), Dr. Johannes Simons (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn), PD Dr. Anke Römer (Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern)

Engagierte Podiumsdiskussion mit dem Auditorium: (v.l.n.r.) Jeanette Huber (Unternehmensberatung und Associate Director Zukunftsinstitut), Prof. i.R. Dr. Dr. h.c. P. Michael Schmitz (Justus-Liebig-Universität Gießen), Dr. Johannes Simons (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn), PD Dr. Anke Römer (Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern)

Heuschrecken oder Hummus statt Hackbällchen? Über Food Trends und was dahinter steckt referierte Jeanette Huber Associate Director des Zukunftsinstitut. Sie spannte einen weiten Bogen über Mammutjäger bis hin zu Greta Thunberg. Die Ära der fleischdominanten Esskultur geht zu Ende, so Huber. Als Treiber dieser Entwicklung sieht sie das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Gesellschaft, der Wunsch nach mehr Tierwohl und mehr Umweltschutz. Für die Landwirtschaft bedeuten diese Veränderungen aber auch Chancen, die genutzt werden können. Für alle gelte: Mehr Wertschätzung für die Natur! So sah sie auch den Gesetzgeber in der Pflicht, diese großen Aufgaben gemeinsam mit allen Akteuren zu bewältigen.

Provokant eröffnete der Agrarökonom Prof. Michael Schmitz von der Uni Gießen seinen Beitrag mit dem Titel: Warum erhöhte Produktionsstandards und Fleischverzicht nicht nachhaltig sind. Seine Untersuchungen belegen eine extrem schlechte Nutzen-Kosten-Bilanz verschiedener Maßnahmen, wie z. B. die Halbierung der Fleisch- und Milchproduktion in Europa. Milliarden Verluste an Erzeugereinkommen und volkswirtschaftlicher Wohlfahrt stünden marginalen Gewinnen bei Umwelt, Klima und Welternährung gegenüber. Das sei nicht nachhaltig! Prof. Schmitz setzt ehr auf den technischen Fortschritt und die Innovationskraft der Landwirte, um Umweltziele bei gleichbleibendem Wohlstand zu erreichen.

Mit Vollgas in die Zukunft – gibt es Konzepte in der Milchviehhaltung, die überzeugen? So das Thema von PD Dr. Anke Römer von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern. Sie stellte die Ergebnisse der Projektgruppe Zukunft Milchkuh vor, die sich unter Federführung der DGfZ mit Innovationen in der Zucht und Haltung von Milchkühen beschäftigt und gab viele Antworten auf die von ihren Vorrednern aufgeworfenen Fragen. Für die Nachwuchswissenschaftler und Zuchtunternehmen besonders spannend wurden praxistaugliche Handlungsempfehlungen beleuchtet, die die Nutzungsdauer der Kuh verlängern und eine umweltverträglichere und dennoch ökonomisch tragbarere Landwirtschaft ermöglichen.

Viel Input, der in der anschließenden Podiumsdiskussion mit den Referenten und Dr. Johannes Simons von der Uni Bonn lebhaft diskutiert wurde. Dr. Simons, Mitarbeiter beim Forschungsprojekt SocialLab – Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft, sah die Rolle des Verbrauchers und einen möglichen Wandel im Konsumverhalten, insbesondere der Ernährungsweise ausgesprochen kritisch die Döner-Buden werden nicht weniger.  Eine sehr entscheidende Rolle bei der Umsetzung neuer Trends, Produktionsweisen und Produkte spiele nicht nur die Gesellschaft und die Akteure der Landwirtschaft, sondern insbesondere der Handel. In der von Prof. Kay-Uwe Götz moderierten Podiumsdiskussion mit dem Auditorium wurde deutlich, wie kontrovers dieser Themenkomplex auch von Wissenschaftlern betrachtet wird.

Nach der Plenartagung präsentierten über 90 junge Wissenschaftler zwei Tage lang ihre Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Tierzucht und Tierhaltung. Ein Tagungsband ist erhältlich. Beiträge zur Plenartagung erscheinen im ersten Heft der Züchtungkunde 2020.

Quelle: DGfZ


Vorträge der Plenartagung

open_in_newDownload des Vortrages von Janette Huber, Passwort: Gießen2019