08.10.2015rss_feed

Vortragstagung der DGfZ und GfT - Aus der Arbeit der Forschungsstätten für Tierproduktion -

Zum 110jährigen Verbandsjubiläum der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde e.V. (DGfZ) wurde die diesjährige Vortragstagung der DGfZ und der Gesellschaft für Tierzuchtwissenschaften (GfT) nicht nur stilecht am Gründungsort der DGfZ in Berlin veranstaltet, sondern den Organisatoren war es darüber hinaus gelungen, für die Podiumsdiskussion die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Maria Flachsbarth, zu gewinnen.

Der lokale Organisator der Tagung, die Humboldt-Universität zu Berlin, bot den perfekten Rahmen für die Vortragstagung vom 16. bis 17. September 2015. Die hochkarätig besetzte Plenartagung und die innovativen Fachforen fanden auf dem Gelände der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät statt.



(v.l.n.r.) Prof. Dr. Gudrun Brockmann, Prodekanin der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Otto-Werner Marquardt, Präsident der DGfZ und Prof. Dr. Karl Schellander, Vorsitzender der GfT.

(v.l.n.r.) Prof. Dr. Gudrun Brockmann, Prodekanin der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Otto-Werner Marquardt, Präsident der DGfZ und Prof. Dr. Karl Schellander, Vorsitzender der GfT.



Nach der Eröffnung durch Prof. Dr. Gudrun Brockmann, Prodekanin der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Otto-Werner Marquardt, Präsident der DGfZ und Prof. Dr. Karl Schellander, Vorsitzender der GfT, richtete Dr. Maria Flachsbarth ihr Grußwort an die anwesenden Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis. Sie betonte die herausragende Bedeutung der Nutztierhaltung für die deutsche Landwirtschaft und stellte die Aktivitäten des Bundes auf den Gebieten des Tierschutzes, des Antibiotikaeinsatzes und des Umweltschutzes vor. Tagungen wie die Gemeinschaftstagung der DGfZ und der GfT dienen dazu, den dringend notwendigen Austausch zwischen den Disziplinen zu fördern und neue Ideen zu entwickeln, so die Parlamentarische Staatssekretärin.

Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Maria Flachsbarth

Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Maria Flachsbarth




Diskussionsteilnehmer auf dem Podium v.l.: Prof. Dr. Niemann, Frau Dr. Flachsbarth, Prof. Dr. Götz, Prof. Dr. Grethe, Herr Holler, Quelle: DGfZ

Diskussionsteilnehmer auf dem Podium v.l.: Prof. Dr. Niemann, Frau Dr. Flachsbarth, Prof. Dr. Götz, Prof. Dr. Grethe, Herr Holler, Quelle: DGfZ

 

 

Ein Novum für eine DGfZ / GfT- Vortragstagung war die Plenartagung mit anschließender Podiumsdiskussion. Hier drehte sich alles um das Generalthema Quo vadis Nutztierhaltung – zwischen öffentlicher Meinung und Chancen des wissenschaftlichen Fortschrittes. Eine brandaktuelle Thematik, die einen weiten Bogen spannte und viel Raum für spannende Diskussionen bot. Renommierte Redner wie Prof. Dr. Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik, Prof. Dr. Kay-Uwe Götz, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Grub und Prof. Dr. Heiner Niemann, Institut für Nutztiergenetik Mariensee des Friedrich-Loeffler-Instituts beleuchteten das Thema nicht nur aus verschiedenen Perspektiven. Sie standen zudem gemeinsam mit Dr. Maria Flachsbarth in der anschließenden Podiumsdiskussion Rede und Antwort. Als Moderator konnte die DGfZ Dietrich Holler, Leiter Kommunikation bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, gewinnen.


Prof. Dr. Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik

Prof. Dr. Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik

Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung, so lautete der Titel, zu dem Prof. Dr. Harald Grethe referierte. Gerade die Ausführungen Professor Grethes wurden von vielen Anwesenden mit Spannung erwartet, denn das im März dieses Jahres veröffentlichte Gutachten Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung wird seit Erscheinen von der Fachwelt sehr kontrovers diskutiert und kommentiert. Sehr anschaulich erläuterte Professor Grethe die Kernpunkte und Zielsetzungen des Gutachtens und ging auch auf etliche Kritikpunkte ein. Besonders wichtig war ihm zu betonen, dass der WBA von niemanden und keiner Institution instrumentalisiert werden möchte.

 




Prof. Dr. Kay-Uwe Götz von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub

Prof. Dr. Kay-Uwe Götz von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub

"Brennpunkt Nutztierhaltung – Was kann die Agrarforschung leisten? lautete das Thema von Prof. Dr. Kay-Uwe Götz. Professor Götz zeigte im Verlauf vergangener Jahrzehnte die sich wandelnden Anforderungen und Rahmenbedingungen an die Tierzucht seitens Gesellschaft und Markt auf. Die Agrarforschung habe stets mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zur politischen Diskussion und Entscheidungsfindung entsprechend beigetragen und müsse auch in Zukunft dieser Rolle gerecht werden. Als Kernaufgaben der Agrarforschung bezeichnete Professor Götz die Erprobung neuer Erkenntnisse und Methoden in Pilotstudien, den Transfer des Wissens in die Praxis sowie die Erfolgskontrolle neuer Maßnahmen. Gerade die wachsende Anzahl an Zielkonflikten in den letzten Jahren unterstreiche die Notwendigkeit einer sachlichen Diskussion besonders, so Götz.



Prof. Dr. Heiner Niemann beleuchtete das Thema Chancen und Risiken neuer Züchtungstechniken. Er berichtete insbesondere über die neuen Möglichkeiten zur gezielten genetischen Veränderung mit Hilfe von DNA Nukleasen, wie Zinkfinger Nukleasen, TALENs oder CRISPR/Cas. Er gewährte dem Auditorium einen Blick in die Zukunft und lieferte eine sehr anschauliche Erläuterung zu den neuen Methoden sowie mögliche Anwendungen bei landwirtschaftlichen Nutztieren mit Bedeutung für die Tierzucht und für die Human- und Veterinärmedizin. Dabei verwies er auf aktuelle nationale und internationale Forschungsergebnisse, die größtenteils noch nicht publiziert sind. Er plädierte dafür, die Chancen und Risiken einer Anwendung von DNA-Nukleasen kritisch abzuwägen und die Chancen verantwortungsvoll zu nutzen.

Prof. Dr. Heiner Niemann, Leiter des Instituts für Nutztiergenetik, Mariensee, des Friedrich-Loeffler-Instituts

Prof. Dr. Heiner Niemann, Leiter des Instituts für Nutztiergenetik, Mariensee, des Friedrich-Loeffler-Instituts




Gut besucht, die Vortragstagung 2015

Gut besucht, die Vortragstagung 2015

Die anschließende Podiumsdiskussion verlief ausgesprochen engagiert und informativ.


Im Anschluss präsentierten junge Wissenschaftler zwei Tage lang in Kurzvorträgen ihre Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Tierzucht und Tierhaltung und luden zu interessanten Diskussionen ein.


Kulinarische City-Tour zu Wasser - so knüpft man Kontakte.

Kulinarische City-Tour zu Wasser - so knüpft man Kontakte.

Gekrönt wurde dieser erfolgreiche erste Tagungstag durch die Abendveranstaltung. Mit dem Schiff ging es auf eine kulinarische City-Tour zu Wasser durch das historische und moderne Berlin.



Zwei herausragende Dissertationen erhalten den DGfZ-Förderpreis 2015

Die Verleihung des DGfZ-Preises erfolgte dieses Jahr an zwei erfolgreiche Nachwuchswissenschaftlerinnen, die ein exzellentes Auditorium zur Präsentation ihrer Arbeit vorfanden. So durften sich gleich zwei Bewerberinnen der Kategorie Dissertation über den mit 1.500 € dotierten Preis freuen. Ihre Arbeiten waren so hervorragend, dass die Jury beide gleich hoch einschätzte.


v.l.n.r. Hellen Elisa Ahrens, PhD, Dr. Otto-Werner Marquardt

v.l.n.r. Hellen Elisa Ahrens, PhD, Dr. Otto-Werner Marquardt

Ausgezeichnet wurden: Frau Hellen Elisa Ahrens, PhD für ihre Arbeit: Experimental approaches towards overcoming the acute vascular rejection associated with pig-to-primate xenotransplantation.

Die Xenotransplantation, d.h. die Übertragung von porzinen Organen in den Patienten, wird heute als vielversprechend angesehen, um geeignete Organe zur Transplantation für den Menschen zur Verfügung zu stellen und damit den wachsenden Organmangel zu mildern oder zu beheben. Transplantierte Organe werden jedoch nach einer gewissen Zeitspanne durch immunologische Abwehrmechanismen abgestoßen. Zu diesem spezifischen Aspekt liefert die vorliegende PhD-Arbeit wertvolle neue Erkenntnisse. Bei der Publikation handelt sich um den weltweit ersten Bericht über die erfolgreiche Erstellung von Schweinen mit einer siRNA vermitttelten reduzierten Expression von Tissue Factor, einem Hauptfaktor in der Koagulationskaskade. Die vorliegenden Ergebnisse stellen einen wichtigen neuartigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Xenotransplantation dar. Die Ergebnisse erfüllen auch im internationalen Maßstab allerhöchste Qualitätsanforderungen, so begründete Dr. Marquardt, Präsident der DGfZ, die Entscheidung der Jury in seiner Laudatio.

 


v.l.n.r. Dr. med. Ricarda Maria Schmithausen, Dr. Otto-Werner Marquardt

v.l.n.r. Dr. med. Ricarda Maria Schmithausen, Dr. Otto-Werner Marquardt

Die zweite herausragende Dissertation stammte von Dr. med. Ricarda Maria Schmithausen die das Thema Transfer of multidrug-resistant pathogens between humans and animals untersuchte. In der konventionellen Tierhaltung spielen resistente Erreger (LA-MRSA und ESBL-E) eine wichtige Rolle bei der Tiergesundheit und bedeuten ein potentielles Risiko für Infektionen des Menschen. Für Frau Dr. med. Schmithausen als Humanmedizinerin und Agraringenieurin stellte sich die Frage, wie typische Expositionspfade aufgedeckt und zielgerichtet das Eintragen über die Agrar-und Lebensmittelkette sowie in Einrichtungen des Gesundheitswesens unterbunden werden könnten. Sie schlägt in der Arbeit drei Szenarien vor, wie sich MRSA und/oder ESBL-Monitorings in bereits bestehende oder im Aufbau befindliche Gesundheitsmanagement-Initiativen integrieren lassen. Die Ergebnisse sind von großer Bedeutung, da sie zeigen, dass durch entsprechendes Hygienemanagement eine deutliche Verbesserung der Übertragung von resistenten Erregern grundsätzlich erreichbar ist. Die abgeleiteten Gesundheitsmanagement-Initiativen stärken die Verantwortung der Landwirte für sich selbst als Risikogruppe, die Tiergesundheit ihres Bestandes und den Verbraucherschutz, so der DGfZ-Präsident in seiner Laudatio.

 



Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Pfeffer mit Hermann-von-Nathusius-Medaille geehrt

v.l.n.r. Prof. Pfeffer und Dr. Marquardt

v.l.n.r. Prof. Pfeffer und Dr. Marquardt

In Anerkennung seiner außerordentlichen und international hoch angesehenen wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Tierernährung verlieh die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Pfeffer, ehemaliger Leiter des Institutes für Tierernährung der Rheinischen Friedrich–Wilhelm–Universität Bonn, die Hermann-von-Nathusius-Medaille. Die Ehrung erfolgte im feierlichen Rahmen der DGfZ-Plenartagung 2015 in der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin.

 

Professor Ernst Pfeffer hat sich international einen Ruf als renommierter Wissenschaftler erworben, dessen Forschungsschwerpunkte in den grundlegenden Arbeiten der Mineralstoffernährung, insbesondere der Phosphaternährung und dem Phosphatstoffwechsel von Tieren und der Dynamik der Stickstoffumsetzung in Wiederkäuern lagen. Große Bedeutung erlangten diese international anerkannten Arbeiten durch die Ableitung von Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung unter Beachtung ökologischer Zusammenhänge, die zu einer verbesserten, tier- und leistungsgerechten Fütterung der Tiere führte. Durch die Umstellung der Empfehlung zur Versorgung der Schweine vom gesamten Phosphor auf den verdaulichen Phosphor, konnte eine Quantifizierung des Bedarfs präzisiert und damit eine unnötige Überversorgung vermieden werden. Dies führte letztendlich nicht nur zur Kostensenkung beim Landwirt, sondern auch zum Abbau vermeidbarer Überschüsse und zur umweltgerechteren Tierproduktion – in Zeiten von Klimadiskussionen wohl der größte Wert dieser Änderungen. Infolgedessen können angepasste Fütterungsstrategien dazu führen, dass produzierte Futtermittel entsprechend ihrem Futterwert eingesetzt oder auch optimal ergänzt werden.

 


Die Hermann-von-Nathusius-Medaille wird seit 1928 in Gedenken an einen der bedeutendsten Wissenschaftler der deutschen Tierzucht gestiftet. Mit ihr werden Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Nutztierwissenschaften im Sinne des Stiftungsgedankens ausgezeichnet.

Mit einer Rede bedankte sich Professor Pfeffer bei der DGfZ und würdigte, dass erstmals ein Wissenschaftler aus dem Gebiet der Tierernährung mit dieser hohen Auszeichnung geehrt wurde.



Dr. Hubert Henne mit Adolf Köppe-Nadel ausgezeichnet

Dr. Hubert Henne

Dr. Hubert Henne

Dr. Hubert Henne, Zuchtleiter der BHZP GmbH, wurde in Anerkennung seiner züchterischen Kompetenz und großen Verdienste auf dem Gebiet der deutschen Schweinezucht im feierlichen Rahmen der DGfZ-Jahrestagung am 16. September 2015 in Berlin die Adolf-Köppe-Nadel verliehen.

 

Mit seiner hohen fachlichen Kompetenz hat Hubert Henne stets einen praxisorientierten Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette Schwein und analysiert vor diesem Hintergrund Einflussfaktoren, die für die praktische Zuchtarbeit wichtig sein könnten, so der DGfZ-Präsident in seiner Laudatio. Hubert Henne erklärt komplizierte Sachverhalte verständlich mit einfachen Worten und ist somit ein angesehener Gesprächspartner und beliebter Vortragsreferent im In- und Ausland, ob auf wissenschaftlicher, politischer oder auf landwirtschaftlicher Ebene. In vielen Fachgremien engagiert er sich für die deutsche Schweinezucht wie z. B. im Genetisch-Statistischen Ausschuss der DGFZ oder bei Veranstaltungen des Fachbeirates Tiergenetische Ressourcen – auch eine DGfZ-Projektgruppe.

 

Im Jahre 1956 hat die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde e.V. im Gedenken an den bedeutenden Tierzüchter Dr. h.c. Adolf Köppe eine Ehrennadel gestiftet, die seinen Namen trägt. Adolf Köppe hat in den langen Jahren seines Wirkens als Tierzuchtdirektor in Ostfriesland Maßstäbe für die gesamte deutsche Tierzucht gesetzt. Die Adolf-Köppe-Nadel dient der Ehrung von Persönlichkeiten, die sich auf dem Gebiet der praktischen Tierzucht besondere Verdienste erworben haben.