EFSA und EMA haben EU-Maßnahmen zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bei Tieren untersucht

Für die EFSA ist es unabdingbar, den Einsatz von Antibiotika bei Lebensmittel liefernden Tieren zu verringern, diese Mittel soweit wie möglich zu vermeiden und die Nutztierhaltung völlig neu zu überdenken.

Sachverständige der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) haben sich mit den Maßnahmen befasst, die in der Europäischen Union (EU) unternommen werden, um den Antibiotikaeinsatz bei Tieren zu verringern, und kommen zu dem Schluss, dass es keine Patentlösung gibt. Erfolgreiche Strategien verfolgen einen integrierten, mehrdimensionalen Ansatz, der die lokalen Tierhaltungssysteme berücksichtigt und alle maßgeblichen Akteure mit einbezieht – von den Regierungen bis hin zu den Landwirten.


Die Sachverständigen kamen zu dem Schluss, dass begründeterweise davon auszugehen ist, dass die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes bei Lebensmittel liefernden Tieren zu einem generellen Rückgang von Antibiotikaresistenzen bei Bakterien führen würde, die in diesen Tieren sowie in aus ihnen gewonnenen Lebensmittelprodukten zu finden sind. Allerdings konnten sie die Auswirkungen einzelner Reduktionsmaßnahmen bzw. Antibiotika-Alternativen in Bezug auf das Auftreten von Antibiotikaresistenzen bei Lebensmittel liefernden Tieren und in Lebensmitteln aufgrund mangelnder Daten nicht quantifizieren.

Es liegt auf der Hand, dass die bereits paraten Strategien unverzüglich umgesetzt werden können und sich positiv auf das Auftreten von Antibiotikaresistenzen auswirken werden. Gleichzeitig besteht ein Bedarf an innovativen Lösungen – wir müssen alternative Wege finden, um bakterielle Infektionen bei Tieren zu verhindern und zu behandeln, so der Geschäftsführende Direktor der EFSA, Dr. Bernhard Url.

Maßnahmen

  • Bekämpfungsstrategien, von denen wichtige Veränderungsimpulse ausgehen, umfassen die Festlegung nationaler Ziele für den Antibiotikaeinsatz.
  • Die Verwendung von Antibiotika bei Tieren sollte auf das zur Behandlung von Infektionskrankheiten notwendige Minimum reduziert werden. Abgesehen von Ausnahmefällen sollte ihr Einsatz zur Prävention solcher Krankheiten zugunsten alternativer Maßnahmen verzichtet werden.
  • Antibiotika von entscheidender Bedeutung für die Humanmedizin sollten bei Tieren ausschließlich als letztes Mittel eingesetzt werden.
  • Alternativen, die nachweislich die Tiergesundheit verbessern und damit die Notwendigkeit des Antiobiotikaeinsatzes verringern, sind u.a. Impfstoffe, Probiotika, Präbiotika, Bakteriophagen und organische Säuren.
  • Die Verwendung von Antibiotika einzuschränken und durch Alternativen zu ersetzen ist jedoch nicht genug. Es ist notwendig, die Nutztierhaltung völlig neu zu überdenken und landwirtschaftlichen Praktiken einzuführen, mit denen die Einschleppung und Ausbreitung von Krankheiten in landwirtschaftlichen Betrieben verhindert wird, sowie alternative Haltungssysteme zu erwägen, die mit einem reduzierten Antibiotikaeinsatz auskommen. Information und Sensibilisierung zum Thema Antibiotikaresistenz sollten auf allen Ebenen der Gesellschaft erfolgen, sich aber insbesondere an Tierärzte und Landwirt richten.  

Nächste Schritte

  • Im Februar 2017 werden die EFSA und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ihren jährlichen Bericht über Antibiotikaresistenzen in Lebensmitteln sowie bei Tieren und Menschen in der EU veröffentlichen.
  • EFSA, EMA und ECDC arbeiten zudem an einem Bericht, der den Zusammenhang zwischen Antibiotikaeinsatz und Resistenzentwicklung bei Tiere und Menschen befallenden Bakterien bewertet – dessen Veröffentlichung für Ende Juli 2017 vorgesehen ist.
  • Bis Ende 2017 werden die drei Agenturen eine Liste von Indikatoren vorschlagen, die es Risikomanagern ermöglicht, den Rückgang von Antibiotikaresistenzen und den Einsatz von Antibiotika bei Menschen und Lebensmittel liefernden Tieren sowie in Lebensmitteln zu überwachen. 

Quelle: EFSA