07.09.2018rss_feed

BCH 2018: Stimmen Züchterziel und Käuferwunsch noch überein? Deutsche Reiterliche Vereinigung - Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht

Rege Beteiligung an der PM-Podiumsdiskussion auf dem Reitpferdeplatz

Züchterziel und Käuferwunsch – stimmen sie noch überein? Die Diskussion, zu der die Persönlichen Mitglieder der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) im Rahmen der 25. Bundeschampionate eingeladen hatten, nutzten viele Züchter, um mit den Experten auf dem Podium ins Gespräch zu kommen. Moderiert von Klaus Blässing wurde nicht nur die Frage diskutiert, ob alljährlich zu viele Hengste gekört werden, sondern auch das Thema Modehengste und das Dilemma von Dressurpferdezüchtern, zwischen einem Fohlenmacher und einem Rittigkeitsvererber entscheiden zu müssen.


Wir Züchter stehen natürlich immer vor der Herausforderung, auf der einen Seite einen Bundeschampion oder vielleicht sogar Grand-Prix-Sieger züchten zu wollen, auf der anderen ein Pferd für den Amateur, der das Gros unserer Kunden darstellt, sagte Jens-Peter Rabeler, der in Winsen/Luhe einen Pensionspferde- und Zuchtstall betreibt. Und der Amateur sucht heute nicht mehr nur das brave, rittige Pferd, sondern eines, das nicht nur gut aussieht, sondern ihn auch gut aussehen lässt, beschrieb Dressurausbilderin Katrin Burger die Kundenseite. Die Zucht solcher Pferde ist allerdings ein oft steiniger und auch kostspieliger Weg, vor allem für Züchter, die ihre Pferde selbst nicht ausbilden können. Ein Grund, warum viele bewusst den Fohlenmarkt im Auge haben. Ein spektakuläres Fohlen wird sich immer besser verkaufen als eines, das eine gute Abstammung hat, sich zunächst aber nur normal bewegt, stellte Katrin Burger fest. Generell staune sie immer wieder darüber, dass die Leute bereit seien, für Hoffnung mehr Geld auszugeben als für Tatsachen, sprich für bereits gezeigte Leistungen.

Dies gelte auch für den Hengstmarkt und sei der Grund dafür, warum von den Verbänden am aktuellen Körsystem festgehalten werde. Diese Entwicklung hat sich durchgängig eher verstärkt, sagte Burger, Daher kören wir auch zu viele Hengste. Aber auch in dem Wunsch, einen großen Genpool vorzuhalten, sieht FN-Vizepräsident Theodor Leuchten die Ursache für die große Anzahl alljährlich neu gekörter Hengste. Die Körung ist dabei ja nur eine erste Selektionsstufe. Der Züchter kann sich dann bei den Hengstleistungsprüfungen ein Bild über Qualität und augenblicklichen Leistungsstand der Hengste machen. Darüber hinaus empfiehlt der Vorsitzende des Bereiches Zucht der FN, noch mehr auf die Stutenstämme und die Qualität der Stute zu achten und sich nicht auf Zufallsprodukte zu verlassen. Eine stabile Stutenbasis sorge zudem dafür, dass Modehengste nicht zu einem Problem für die gesamte Zucht würden.

Wichtig ist es vor allem, den Züchter nicht mit unlösbaren Aufgaben zu konfrontieren, sagte Martin Spoo, langjähriger Zuchtleiter des Rheinischen Pferdestammbuches: Wir müssen verdammt gut aufpassen, dass man echte Mängel nicht hinterher in den Stutenstämmen wiederfindet. In diesem Zusammenhang wünschte sich der internationale Dressur-, Bundeschampionats- und Hengstleistungsprüfungs-Richter Reinhard Richenhagen auf Grund seiner vielen Beobachtungen, dass wieder etwas mehr auf die Qualität des Fundaments, vor allem auf die der Hufe, geachtet würde. Theodor Leuchten bestätigte: Wir sind auf dem richtigen Weg, was die sportliche Leistungsfähigkeit unserer Pferde betrifft. Woran wir jedoch arbeiten müssen, ist die Gesundheit unserer Pferde. Da haben wir Versäumnisse, sagte er: Deshalb haben wir 2017 die Gesundheitsdatenbank eingeführt und in Verbindung mit der genomische Selektion werden weitere Erkenntnisse folgen.  

Insgesamt gesehen waren sich jedoch alle weitgehend einig, dass die Zucht auf einem guten Weg ist. Die beiden Vertreter der Ponyzucht brachten es auf den Punkt.  Früher mussten sich viele der großen Hengsthalter nicht selbst auf ihre Hengste oder deren Nachkommen setzen. Wir haben intuitiv darauf selektiert, was wir selbst gerne reiten, sagte der Hengsthalter Timo Coldewey und wurde darin von Joachim Völksen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Pony- und Kleinpferdezüchter (AGP), unterstützt: Wir haben zwar nicht alles, aber mehr richtig als falsch gemacht. Es ist uns gelungen, die guten Gangarten zu verbessern und gleichzeitig die hervorragenden Charaktereigenschaften zu erhalten. Für die Warmblutzucht fasste dies Katrin Burger dies so zusammen: Wir haben immer mehr spektakuläre Pferde, die sich aber doch gut reiten lassen und einen hervorragenden Charakter haben. Wenn ich vergleiche, was vor 25 Jahren bei den Bundeschampionaten gelaufen ist und mir jetzt beispielsweise die fünfjährigen Dressurpferde ansehe, wie selbstverständlich diese Pferde gehen, sich toll bewegen und eine tolle Ausstrahlung haben , dann muss ich sagen, dass die Qualität der Pferde und die Arbeit der Züchter einen Riesenfortschritt gemacht haben. 

Quelle: fn-press