Ebermast kann Ferkelkastration erst mittelfristig ersetzen

Die Ebermast als Alternative zur Ferkelkastration ist nicht kurzfristig zu realisieren. Das ergab jetzt eine aktuelle Befragung von 120 Fleischexperten aus 23 Ländern, die das foodnetcenter der Universität Bonn im Rahmen der 1. Internationalen Fleischwoche in Bonn durchgeführt hat. Die mehrtägige Fachkonferenz wurde von dem Kompetenznetz GIQS (Grenzüberschreitende integrierte Qualitätssicherung e.V) und der Universität Bonn vom 17. bis zum 20. November 2009 veranstaltet. Wie die vom Cluster Ernährung.NRW unterstützte Studie Expertenbarometer Ebermast weiter ausweist, geht mehr als die Hälfte der dazu Befragten (53%) davon aus, dass eine Etablierung der Ebermast mittelfristig (bis 2019) gelingen kann. Immerhin 35% der Experten halten eine Systemumstellung erst langfristig bzw. gar nicht für realistisch.

Als besonders wichtig für die Lösung der mit der Ebermast verbundenen Probleme bezeichneten die Experten die Entwicklung einer Technik, mit der eine sichere Identifizierung von Ebern mit Geruchsabweichungen möglich ist. Gerade in diesem Bereich wird sowohl der bisherige als auch der in den nächsten vier Jahren zu erwartende Entwicklungsfortschritt als lediglich mittelmäßig eingeschätzt. Die große Mehrheit der Befragten geht vielmehr davon aus, dass die Entwicklung entsprechender Technologien frühestens mittelfristig (bis 2019) realisierbar ist.

Als überraschend wertete Prof. Monika Hartmann von der Landwirtschaftlichen Fakultät der Uni Bonn bei der Vorstellung der Ergebnisse der Befragung die Einschätzung der Experten hinsichtlich der wirtschaftlichen Konsequenzen einer Umstellung auf die Ebermast: Danach sind weder auf der Ebene der Landwirtschaft, noch der Verarbeiter noch des Handels nennenswerte Veränderungen in der wirtschaftlichen Situation zu erwarten. Immerhin 44% der Experten waren der Meinung, die Ferkelkastration sollte abgeschafft werden und eine Umstellung auf Ebermast erfolgen. 36% sprachen sich für eine Kastration unter Anwendung schmerzlindernder Mittel aus. Lediglich 18% der befragten Experten befürworteten die Kastration von Ferkeln vor dem 7. Lebenstag ohne Betäubung und Schmerzlinderung.

Männliche Ferkel werden in vielen Ländern der EU in den ersten Lebenstagen kastriert, weil das Fleisch von Ebern einen unangenehmen Geruch aufweisen kann. Dies ist – im Einklang mit dem bestehenden Tierschutzrecht – auch ohne Betäubung erlaubt. Allerdings fordern Tierschutz- und Verbraucherorganisationen den Verzicht auf die Ferkelkastration. Hiermit ist zwangsläufig verbunden, dass unkastrierte männliche Tiere gemästet werden (Ebermast).

 

Für den Absatz von Schweinefleisch ist es in diesem Zusammenhang wichtig, dass kein unangenehm riechendes Fleisch auf den Markt kommt, um den Verbrauchern den Genuss am Schweinefleisch nicht zu verderben. Deshalb sucht der Fleischsektor intensiv nach Möglichkeiten, die Geruchsbildung zu verhindern bzw. Geruchsabweichungen zu identifizieren, um das entsprechende Fleisch aussortieren zu können. Für eine Übergangszeit gilt in Deutschland, dass Ferkel, die unter dem QS-Siegel (Marktanteil etwa 90% des Schweinefleischs) vermarktet werden, schmerzstillende Mittel bei der Kastration erhalten. Die Umstellung auf Ebermast ist ausgesprochen komplex. Um eine hohe und verlässliche Fleischqualität sicherzustellen, sind Anpassungen auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette notwendig. (Ernährung.NRW)