21.09.2026rss_feed

Hamburg: Tierwissenschaftler aus aller Welt treffen sich zur 77. EAAP-Konferenz in Deutschland

BBongartz

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Die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde e.V. (DGfZ) als Mitveranstalter des größten europäischen Kongresses für Nutztierforschung

Was für ein Kongress! Was für eine geballte Konzentration an Wissen und Innovation – und was für ein Wetter!

Das hamburgische Moin passt zu jeder Tageszeit, genauso wie zum Beginn, zwischendurch oder als Gruß am Ende eines Treffens. Vom 7. bis 11. September 2026 trafen sich fast 1.700 Fachleute aus 61 Ländern zur größten jährlich stattfindenden Konferenz der Branche – dieses Jahr im Kongresszentrum CCH in Hamburg, einem fantastischen Austragungsort in bester Lage. Für Entspannung bei angenehmer spätsommerlicher Witterung sorgte der direkt angrenzende Park Planten un Blomen, der immer wieder zum Verweilen einlud.

 

Den größten Anteil an den Teilnehmenden stellte das Gastgeberland Deutschland (23 %), gefolgt von Frankreich (11 %) und Italien (8 %). Immerhin 24 % der Gäste reisten aus Ländern außerhalb der EU an, wobei Kanada die größte internationale Delegation stellte. Der EAAP und der DGfZ liegen die Wissensvermittlung, die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses besonders am Herzen. Umso erfreulicher war es, dass mehr als ein Drittel der Anwesenden zur Kategorie Young EAAP gehörte.

 

Die DGfZ ist sehr stolz darauf, gemeinsam mit dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie der European Federation for Animal Science (EAAP) diesen wichtigsten europäischen Kongress für Nutztierforschung nach über 30 Jahren wieder in Deutschland ausrichten zu dürfen, erklärte Dr. Bettina Bongartz, Geschäftsführerin der DGfZ. Zuletzt war Deutschland 1991 in Berlin Gastgeber. Gemeinsam mit dem Kommissionspräsidenten Dr. Christian Lambertz (FiBL) leitete die DGfZ federführend das lokale Organisationskomitee dieses hochkarätigen wissenschaftlichen Kongresses.


AGefrom

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Unter dem Leitthema Shaping resilient livestock systems is key to circular agriculture wurde ein breit gefächertes Spektrum an Beiträgen zu zukunftsfähigen Lösungsansätzen für eine nachhaltige Tierhaltung und Kreislaufwirtschaft präsentiert – fachübergreifend und für alle Tierarten vom Rind bis hin zu Insekten. Neben der hervorragend besuchten Plenarsession am Dienstagmorgen konnten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Unternehmensvertreter sowie weitere Akteure der Branche über vier Tage hinweg intensiv austauschen: In 13 Räumen wurden 98 Fachsessions mit ca. 1.000 hochkarätigen wissenschaftlichen Präsentationen und 435 Postern geboten. Die Schwerpunkte lagen auch in diesem Jahr auf Anpassungsstrategien an den Klimawandel, Resilienz, Fütterung und Physiologie, Tierwohl und Tiergesundheit, Tierzucht sowie Möglichkeiten zur Emmissionsminderung. Auch Vorträge zum Einsatz künstlicher Intelligenz in Wissenschaft und Praxis stießen auf großes Interesse. Ebenso widmeten sich zahlreiche Beiträge dem Schutz und dem Einsatz tiergenetischer Ressourcen. Ein besonderer Fokus lag zudem auf dem One-Health-Ansatz und der Verantwortung zur interdisziplinären Zusammenarbeit.


Posterausstellung
ARömer

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Neben dem Fachprogramm standen vor allem der internationale Austausch und das Netzwerken im Vordergrund – wozu die EAAP-Tagung reichlich Gelegenheit bei exzellenter kulinarischer Begleitung bot. Für die deutsche Landwirtschaft ergab sich die einmalige Gelegenheit, gemeinsam mit dem lokalen wissenschaftlichen Komitee wichtige Schwerpunkte und nationale Anliegen im Programm zu verankern. Dabei rückten insbesondere hochrelevante Forschungsbereiche mit starkem Praxisbezug in den Mittelpunkt. Mit gezielten Investitionen in Forschung, Wissenstransfer und Beratung stellte Deutschland unter Beweis, dass Tierhaltung wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich zukunftsfähig gestaltet werden kann. Insbesondere die praxisnahe Forschung ist von zentraler Bedeutung, da Tiergesundheit, Tierwohl und Zucht einander bedingen und stets ganzheitlich betrachtet werden müssen.

 


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DGfZ bringt deutsche Tierwissenschaft in den internationalen Austausch

Der Präsident der DGfZ, Hans-Willi Warder, betonte in seiner Eröffnungsrede die besondere Bedeutung der diesjährigen Tagung für Deutschland. Das Congress Center Hamburg (CCH) biete einen idealen Rahmen für den wissenschaftlichen Dialog und die internationale Vernetzung. Mit Blick auf den Klimawandel unterstrich Warder die Notwendigkeit, die Tierhaltung frühzeitig an sich verändernde Rahmenbedingungen anzupassen: Diese Anpassungen werden sich gleichermaßen auf die Bewirtschaftung, die Fütterung und die Genetik auswirken. Widerstandsfähige Tierhaltungssysteme sind eine entscheidende Voraussetzung, um auch künftig die Ernährungssicherheit zu gewährleisten.

 

In seinem Grußwort hob auch Prof. Dr. Eberhard Haunhorst, Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit im BMLEH, die globale Bedeutung der Tierhaltung hervor. Er verknüpfte die Themen Kreislaufwirtschaft, Resilienz, Tierwohl sowie One Health und betonte die Schlüsselrolle von Wissenschaft und Innovation für die Zukunft der Nutztierhaltung. Seine zentrale Botschaft lautete: Ohne Tierhaltung gibt es keine echte, nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

 

In der Plenarsession am Dienstag veranschaulichte Dr. Christian Lambertz, Vorsitzender des lokalen Organisationskomitees, dem internationalen Publikum in seinem Eröffnungsvortrag die Vielfalt, Leistungsfähigkeit und Dynamik der deutschen Agrarwirtschaft sowie die aktuellen Forschungsschwerpunkte heimischer Einrichtungen. Abschließend wies er auf die fundamentale Bedeutung wissenschaftlich fundierter Lösungen für eine nachhaltige, widerstandsfähige Tierhaltung und Kreislaufwirtschaft hin. Zu Beginn seines Beitrags blickte er persönlich und humorig zurück und sprach über seine langjährige, enge Verbundenheit mit der EAAP-Community.


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DWarder

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Internationale Vernetzung und Praxisbezug

Neben dem Fachprogramm stand der internationale Austausch im Mittelpunkt. Abendveranstaltungen wie der Empfang mit über 900 Gästen oder der German Evening auf dem Museumsschiff Cap San Diego mit 850 Teilnehmenden boten ideale Gelegenheiten, Kontakte zu knüpfen und neue Projektideen zu besprechen. Die Gäste genossen dabei nicht nur die besondere Atmosphäre des Hamburger Hafens und die kulinarischen Angebote, sondern auch ein Stück deutscher Tradition: Als Überraschungshighlight wurde auf Deck ein an der Technischen Universität München in Freising-Weihenstephan gebrautes Bier ausgeschenkt, das Joël Bérard, Präsident des EAAP, zuvor feierlich angestochen hatte – ein Moment, der Nord- und Süddeutschland perfekt verband.


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Gleichermaßen spielte die Verknüpfung von Forschung und Praxis eine zentrale Rolle. Die begleitende Industrieausstellung bereicherte das wissenschaftliche Programm; neben dem EAAP Industry Club beteiligten sich zahlreiche deutsche Unternehmen und Organisationen. Ihnen gilt besonderer Dank, da sie das Gesamtbild komplettierten und maßgeblich zum Erfolg des Kongresses beitrugen.


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Ein direkter Einblick in die Praxis erfolgte am Abschlusstag im Rahmen von zehn Fachexkursionen nach Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Besichtigt wurden unter anderem Besamungsstationen, landwirtschaftliche Betriebe, Versuchsgüter, Forschungsinstitute, Rechenzentren, Aquakultureinrichtungen sowie eine Deichschäferei am Wattenmeer. Dadurch vermittelte die Tagung nicht nur theoretische Erkenntnisse, sondern auch konkrete Einblicke in regionale Produktionssysteme und die angewandte Forschung Norddeutschlands.


Gala Dinner 3

Beim abschließenden, ausgebuchten Gala-Dinner im historischen Curio-Haus bedankten sich die Gastgeber herzlich für die breite Unterstützung der Wissenschaftler und Helfer in den Vorbereitungsgruppen. Ohne diesen enormen Einsatz und die vielen Ideen wäre ein solch gelungenes Programm, das über mehr als drei Jahre hinweg vorbereitet wurde, nicht realisierbar gewesen. Joël Bérard und Andrea Rosati von der EAAP lobten die Gastgeber ausdrücklich für die exzellente Organisation. Einen wesentlichen Beitrag leistete ebenso das EAAP-Team in Rom – die jahrelange, freundschaftliche Verbundenheit mit der DGfZ bildete die Basis für diese hocheffektive und wertschätzende Zusammenarbeit. Neben den zahlreichen Sponsoren und ehrenamtlichen Unterstützern gebührt auch der Agentur event lab. für den reibungslosen Ablauf ein besonderes Lob.


Gala Gruppe DWarder
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EU-Kommissar Olivér Várhelyi zu Besuch

Ein besonderes Highlight der Konferenz war der Besuch des EU-Kommissars für Gesundheit und Tierschutz, Olivér Várhelyi. In seinem Beitrag erläuterte er die konkreten Schritte zur Umsetzung der im Juli veröffentlichten Nutztierhaltungsstrategie bis zum Jahr 2040. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Schnittstelle zwischen Tier- und Menschengesundheit, die präventive Maßnahmen, Überwachung und eine koordinierte Reaktion auf EU-Ebene erfordert. Várhelyi betonte, dass höhere Tierschutzstandards stets mit der Wettbewerbsfähigkeit der EU-Landwirtschaft vereinbar sein müssen, da europäische Erzeuger im täglichen Wettbewerb mit Importen stehen, die anderen Standards unterliegen. EAAP-Präsident Joël Bérard unterstrich in diesem Kontext die Notwendigkeit nachhaltiger Investitionen in die Wissenschaft: Forschung liefere die Werkzeuge und Innovationen, die verhindern, dass strengere Vorgaben zu rein zusätzlichen Kosten werden, sondern wirtschaftlich tragfähig bleiben.

In der anschließenden Fragerunde äußerte sich Kommissar Várhelyi klar und präzise zu den von der Kommission erarbeiteten Maßnahmen und Zeitplänen. Dieser Lunch-Talk lieferte wertvolle Impulse für die Ausrichtung der Wissenschaft und unterstrich einmal mehr die Rolle der EAAP-Jahrestagung als Bindeglied zwischen Forschung und EU-Institutionen zur Gestaltung einer evidenzbasierten, zukunftsfähigen Tierhaltung.


Für den Wissenschafts- und Agrarstandort Deutschland markierte die Ausrichtung des 77. EAAP-Kongresses nach mehr als drei Jahrzehnten einen bedeutenden Punkt, der der heimischen Forschung eine internationale Bühne bot und den Dialog mit den europäischen Institutionen nachhaltig stärkte. Die Tagung bewies nachdrücklich, dass eine zukunftsfähige, tierwohlorientierte Landwirtschaft nur durch die enge Verknüpfung von wissenschaftlicher Spitzenforschung, praktischer Umsetzung und Politik gelingen kann.

Für die DGfZ war diese EAAP-Tagung ein rundum gelungenes Ereignis – und eine besondere Freude und Ehre, aktiv Verantwortung in der Organisation und Vorbereitung getragen zu haben, resümierte Frau Dr. Bongartz.

Das Book of Abstract ist auf der Homepage eaap2026.org abrufbar.

 

Ansprechpartnerin:
Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde e. V.

Dr. Bettina Bongartz | Adenauerallee 176 | 53113 Bonn | Telefon: +49 (0) 228 91447 60

E-Mail: info@dgfz-bonn.de | Homepage: www.dgfz-bonn.de