18.06.2020rss_feed

Studie: Habitatmodellierung und Abschätzung der potenziellen Anzahl von Wolfsterritorien in Deutschland

Derzeit leben laut Wolfsmonitoring in ganz Deutschland 105 Wolfsrudel, 29 Paare und elf Einzelgänger. Platz genug für deutlich mehr Wölfe als bisher gibt es theoretisch. Das belegt eine im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW), der Technischen Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Veterinärmedizinischen Universität Wien erstellte umfangreiche Studie Habitatmodellierung und Abschätzung der potenziellen Anzahl von Wolfsterritorien in Deutschland. Demnach gibt es in ganz Deutschland zwischen 700 bis 1400 potenzielle Wolfreviere. Um  abzuschätzen,  welche  Gebiete  in Deutschland  für  Wölfe  geeigneten  Lebensraum  (Habitat)  darstellen,  baten  die  Länder  auf der 89. Umweltministerkonferenz im November 2017 in Potsdam den Bund um eine derartige Analyse. Basierend auf den errechneten Habitateignungskarten sollte zudem die mögliche  Anzahl  von  Wolfsterritorien  in  Deutschland  abgeschätzt  werden. 


Unsere Studie zeigt, dass etwa drei Mal mehr potenzielle Wolfsreviere existieren, als Fachleute bislang angenommen hatten, erläutert Prof. Dr. Stephanie Kramer-Schadt, Leiterin des Fachgebietes für Planungsbezogene Tierökologie an der Technischen Universität Berlin, Abteilungsleiterin für ökologische Dynamiken am Leibniz-IZW und Studienleiterin. Die Wissenschaftlerin betont gleichzeitig: Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese Zahl an Wolfsrudeln wünschenswert ist oder dass die Ausbreitung der Wölfe in Deutschland in diesem Umfang zu erwarten ist. In der Studie haben wir uns darauf konzentriert, die Lebensräume von Wölfen genau zu analysieren und anhand dieser Daten für ganz Deutschland zu ermitteln, wie viele potenzielle Lebensräume es hier gibt.

Die Wiederbesiedlung Deutschlands durch die Wölfe ist in der Gesellschaft ein extrem konfliktreiches Thema: Die einen begrüßen die Artenvielfalt, die anderen fürchten um ihre Herden oder gar die Sicherheit von Menschen. Die Entscheidung, wie mit den Ergebnissen der Studie jetzt umgegangen wird, ob zum Beispiel in potenziell guten Wolfsterritorien rechtzeitig begonnen wird, Landwirte und private Tierhalter mit Herdenschutzmaßnahmen wie Elektrozäunen zu versorgen, um Weidetiere vor Wolfsübergriffen zu schützen, liegt nun bei den Ministerien und der Politik, so die Forscher.

Quelle: tu.berlin


open_in_newWeitere Informationen

open_in_newZur Studie

open_in_newDokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf