08.07.2021

Tierseuchen verursachen große Schäden

Der Ausbruch bekannter sowie die Einschleppung neuer Tierseuchen stellen eine immerwährende, ernst zu nehmende Bedrohung für die Tierbestände dar. Einige Infektionskrankheiten können auch auf den Menschen übertragen werden.

Dass Erreger von Tieren auf den Menschen übergehen, ist nicht ungewöhnlich. Jährlich erkranken rund 2,4 Milliarden Menschen weltweit an einer Zoonose, mehr als zwei Millionen Todesfälle sind darauf zurückzuführen. 75 Prozent der beim Menschen neu auftretenden Krankheiten sind zoonotischen Ursprungs. Nahezu zwei Drittel aller humanpathogenen Infektionen stammen vom Tier. Bei den Nutztieren selbst ist eines von sieben betroffen, die Tiersterblichkeit verursacht weltweit einen Verlust von über 21 Milliarden Euro.

 

Schwierige Spurensuche

Risikofaktoren für die Verbreitung von Seuchen aller Art sind die Urbanisierung, der Tourismus, der Klimawandel oder der globale Handel. Auch die Übertragungswege sind vielfältig. Zoonosen können direkt, über Lebensmittel oder Vektoren wie Mücken und Zecken übertragen werden. Auslöser sind Viren, Bakterien, Parasiten oder Prionen.

Vektorenabhängige Tierseuchen, auch solche ohne zoonotischen Charakter, profitieren in besonderem Maße vom Klimawandel. Die Blauzungenkrankheit BTV-8/BTV-4 oder West-Nil-Virus-Infektionen sind prominente Beispiele. Beide Krankheiten werden von infizierten Mücken übertragen, die unter günstigen klimatischen Bedingungen vermehrt auftreten und über einen längeren Zeitraum, oft bis in den Spätherbst, aktiv sind. Durch die Klimaerwärmung können auch bisher in unseren Breiten nicht vorkommende Mückenarten, die als Vektoren für tropische Erkrankungen dienen, hier heimisch werden.

Zoonosen treten heute nicht wesentlich häufiger auf als früher. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht aber davon, dass mehr Zoonose-Ereignisse registriert werden. Vor allem das Vordringen in bislang unberührte Natur erhöht das Risiko, auf unbekannte Erreger zu stoßen.

Mehr als 300.000 bislang unbekannte Viren können nach einer Studie der Columbia University, USA, noch in tierischen Reservoiren zirkulieren. Ausgehend von den derzeit bekannten Erregern, hat etwa die Hälfte der Viren zoonotisches Potential. In den Fokus sind in letzter Zeit vermehrt Wildtiere als Virenreservoir gerückt. Das prominenteste Beispiel ist derzeit das Corona-Virus. Durch SARS-CoV-2 nicht gefährdet sind laut Kenntnisstand des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) landwirtschaftliche Nutztiere. Auch liegen keine Hinweise vor, dass sich Menschen bei Hunden oder Katzen mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Eine gewisse Gefährdung scheint von Nerzen auszugehen, wie die bekannten Fälle aus Dänemark zeigen. Auch andere marderartige Tiere sind für die Infektion empfänglich.

Angesichts dieser Szenarien stellt sich die Frage, wie man sich bestmöglich vor der Einschleppung und Ausbreitung entsprechender Erreger schützen kann. Neue diagnostische Methoden sind in diesem Zusammenhang die Schlüsselwörter, eine hohe Aufmerksamkeit gegenüber Seuchen und vorbereitende Schritte zur Bekämpfung unerlässlich.

Ein wichtiger Lösungsansatz ist das One Health-Prinzip, das heißt, Vorbeuge- und Bekämpfungsstrategien für Mensch, Tier und Umwelt müssen aufeinander abgestimmt sein. Nach wie vor ist die Impfung der beste Schutz gegen Zoonosen. Konsequentes Impfen hat beispielsweise dazu geführt, dass Deutschland frei von Tollwut ist. Weltweit sind aber immer noch zwei Drittel aller Länder mit knapp 60.000 Toten pro Jahr von der Tollwut betroffen.

Eine aktuelle, auf Tiere beschränkte Infektionskrankheit mit weiter Ausbreitung, ist die Afrikanische Schweinepest. Obwohl keine Zoonose zeigt der Blick auf die Versorgung der Menschen mit Produkten vom Schwein und auf die wirtschaftlichen Konsequenzen die Bedeutung des One Health-Konzeptes. Oberste Priorität zur Kontrolle der ASP hat die Biosicherheit, weil geeignete Impfstoffe noch immer nicht in Sicht sind.

Quelle: BfT